October 2, 2018 /

„Man muss Rahmenbedingungen schaffen, damit niemand zwischen Familie oder Karriere entscheiden muss!“

Gleichstellung, Frauenquote, Diversität, Familienförderung, Work-Life-Balance – Schlagworte und Konzepte, die hoch in Konjunktur stehen und nicht nur für Wirtschaftsunternehmen wichtige Themen sind. Auch Forschung und Wissenschaft müssen sich zunehmend damit auseinandersetzen.
[Picture: © Bildagentur PantherMedia / thinglass]

2017 klagte die Deutsche Forschungsgemeinschaft, dass es in Deutschland zu wenig Professorinnen gäbe. Nach wie vor sind die Gründe dafür klassischer Natur. Karriere oder Kind? Diese Frage steht zentral im Raum, wenn Frauen über ihre Zukunft nachdenken. Aber es geht um mehr als Frauenförderung. So sieht das seit seiner Gründung 2007 auch das Stuttgarter Zentrum für Simulationswissenschaft (SC SimTech früher SRC SimTech) und damit auch der Exzellenzcluster Simulation Technology (SimTech) der Universität Stuttgart. Es geht nicht nur um die Gleichstellung von Frauen, sondern um (internationale) Studierende, Familien und natürlich auch Männer.

Bereits von Anfang an steht dieses Thema ganz weit oben auf der Agenda des Stuttgarter Zentrums, denn klar ist, wenn man junge Frauen in der Forschung möchte, dann muss man auch die Rahmenbedingungen dafür schaffen, damit sie nicht zwischen Familie und Karriere entscheiden müssen, sondern beides gleichermaßen verfolgen können. Diesen Standpunkt hat SimTech immer vertreten und auch erfolgreich umgesetzt, so Prof. Wolfgang Ehlers, Geschäftsführer und Sprecher des aktuellen Exzellenzclusters SimTech.

Aber wie gesagt, SimTech geht es nicht nur um die reine Frauenförderung, sondern darum die Besten zu finden, zu fördern und zu binden. Damit denkt SimTech das Thema Gleichstellung bzw. Diversität weiter, umfassender. So wie Prof. Ehlers es bereits gesagt hat: Wie müssen die Rahmenbedingungen aussehen, damit Frauen, Männer, Familien, Studierende bereit sind, ihr Bestes zu geben, ohne Einschnitte im privaten Bereich hinnehmen zu müssen oder sich im schlimmsten Fall für eines von beiden und dann vielleicht gegen die Wissenschaft entscheiden zu müssen?

SimTech hat mit seinem Ansatz „Vom Gymnasium zur Professur“ für Schülerinnern und Schüler, Studierende, Promovierende und Professorinnen und Professoren einen entsprechenden Rahmen geschaffen und so wundert es nicht, dass 24 Prozent der SimTech-Studierenden und mehr als 22 Prozent der Promovierenden der GS SimTech weiblich sind. Drei von zehn Habilitationen sind von Frauen und vier von rund einundzwanzig Berufungen zu Juniorprofessuren gehen an Frauen. Nur einige, aber dafür starke Zahlen, die SimTech in den vergangenen Jahren kontinuierlich steigern konnte und die darauf zurückzuführen sind, dass eine wissenschaftliche Karriere bei SimTech transparent und planbar ist und damit klar Freiräume für private Dinge zulässt. Zudem gibt es standardmäßig zweisprachige Formulare für ausländische Studierende, KidsBoxen, Mentoring- und Coaching-Programme, Anreize zum Einwerben von Drittmitteln oder aber die gute Ausstattung von Juniorprofessorinnen und -professoren. Alles Maßnahmen einer gelebten Gleichstellung, die sich bewährt haben und deutlich machen sollen: Familie ist kein Hindernis!

Das kann auch Karsten Kuritz, Promovent an der GS SimTech, bestätigen, denn "es war gar kein Problem während der Promotion in der GS SimTech in Elternzeit zu gehen. Die Flexibilität und Freiheiten sowie die Unterstützung innerhalb der GS SimTech ermöglichten reibungslose Übergänge."

Dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf trotz aller Unterstützungsangebote oft eine Herausforderung ist, merkt auch Barbara Teutsch, die im Rahmen der Graduiertenschule den Doktorandinnen und Doktoranden ein Angebot zum persönlichen Coaching macht. "Sich selbst - und vielleicht anderen - einzugestehen, dass der Spagat zwischen Beruf und Familie zeitweise kraftraubend sein kann und sowohl gegenüber der Familie als auch bei der Arbeit für ein schlechtes Gewissen sorgt, ist häufig schon ein erster Schritt, um gemeinsam individuelle Lösungen zu finden, die das Zusammenspiel mit der entsprechenden Unterstützung schließlich doch ermöglichen."

2018 hat der SC SimTech das Thema noch höher angesetzt und mit Syn Schmitt seinen ersten Gleichstellungsbeauftragten gewählt. Auch die Wahl eines Mannes in diese Position ist ein weiteres Zeichen, denn Schmitt weiß, dass das Thema der Vereinbarkeit von Beruf und Familie bzw. Privatleben ein sehr wichtiges ist und alle betrifft. Er selbst hat zwei Kinder und war jeweils fünf Monate in Elternzeit. Eine Zeit, die er nicht missen möchte. Genau deshalb weiß er aber auch, wovon er spricht, wenn er sagt, dass es für ihn wichtig ist, „dass niemand aus Gründen, die außerhalb der Wissenschaft liegen, von einer wissenschaftlichen Karriere ausgeschlossen wird“. Damit unterstreicht er das grundlegende Verständnis, das auch der SC SimTech vertritt.

Mit der positiven Entscheidung der Deutschen Forschungsgemeinschaft vom 27. September und der damit verbundenen Millionenförderung des Exzellenzclusters „Daten-integrierte Simulationswissenschaft“, das in das Stuttgarter Zentrum für Simulationswissenschaft eingebunden ist, kann Syn Schmitt nun mit dem ihm zur Verfügung stehenden Budget in den kommenden Jahren viele neue Dinge im Bereich der Gleichstellung in die Wege leiten, um das Stuttgarter Zentrum noch wettbewerbsfähiger und insbesondere attraktiver für erfolgreiche junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu machen.

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