17. Januar 2020 /

Ausschuss für FDM nimmt Fahrt auf

[Bild: © PantherMedia / Sashkin7]

Mit dem Fokus des Clusters EXC 2075 auf die daten-integrierte Simulationswissenschaft gewinnt das Forschungsdatenmanagement (FDM) zunehmend an Bedeutung. Um der Relevanz des Themas entsprechend Rechnung zu tragen, wurde der Ausschuss „Forschungsdatenmanagement“ ins Leben gerufen, der die Kompetenzen von apl. Prof. Dr. Jürgen Pleiss, Prof. Dr. Melanie Herschel und apl. Prof. Dr. Bernd Flemisch vereint und damit beide Seiten des Themas abdeckt: Wo kommen die Daten her und wie können sie in den verschiedenen Wissenschaftscommunities verwendet werden?

Wieso eigentlich Forschungsdatenmanagement?

Ein Forschungsdatenmanagement, das eine Nachnutzung ermöglicht, benötigt Datenbanken, in denen nicht nur die Daten selbst abgelegt sind, sondern auch eine Beschreibung der experimentellen oder der Simulationsbedingungen, unter denen die Daten erzeugt wurden (Metadaten). Um einen Austausch von Daten und Metadaten zwischen verschiedenen Forschungsgruppen zu ermöglichen, werden außerdem standardisierte Datenaustauschformate benötigt. Doch welche (Meta-)Daten erfasst werden und wie – das sind Fragen, die nicht nur die Natur- und Ingenieurwissenschaften beschäftigen, sondern auch alle anderen Wissenschaften. „Wir stehen vor der Herausforderung, dass wissenschaftliche Daten reproduzierbar publiziert werden müssen. Oft fehlen aber genau dafür wichtige Daten oder sie sind ungenügend dokumentiert, um diese Reproduzierbarkeit zu gewährleisten. Das ist kein rein technisches Problem, sondern auch ein wissenschaftliches. Die Frage, mit der wir uns daher im Ausschuss beschäftigen, ist, wie man Daten so dokumentieren und publizieren kann, dass sie vollständig reproduziert werden können.“, so Jürgen Pleiss über die Ziel- und Aufgabenstellung des Ausschusses.

FDM ein Thema auf verschiedensten Ebenen

Da das Thema so umfassend ist, wird es auf den verschiedensten Ebenen angegangen. Auf universitärer Ebene bietet das Kompetenzzentrum für Forschungsdaten (FoKUS) Beratung zum Forschungsdatenmanagement an und betreibt das Datenrepositorium der Universität Stuttgart (DaRUS). Auf Landesebene wird mit der "bwDataFederation" eine Dateninfrastruktur etabliert und auf nationaler Ebene ist SimTech im NFDI Programm (Nationale Forschungsdateninfrastruktur) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG )engagiert. Zudem, wir haben bereits darüber berichtet, hat sich SimTech mit zwei neu geschaffenen Stellen Unterstützung ins Haus geholt: Neben Sibylle Hermann, die als Data und Software Steward für die Konzeption zuständig ist, unterstützt Ralf Diestelkämper als Research Software Engineer bei der Implementierung von Tools. Gleichzeitig wurde auch ein Ausschuss initiiert. Es wird auf den unterschiedlichsten Ebenen also viel getan

Gründung der Special Interest Group Data Infrastructure (SIGDIUS)

Der Ausschuss beschäftigt sich nun gezielt mit Themen, die aus der Simulationswissenschaft heraus für das Forschungsdatenmanagement entstehen. Wie also können Daten aus Simulationen erfasst, gespeichert und zugänglich gemacht werden? Im Rahmen der Arbeit des Ausschusses hat sich die Special Interest Group Data Infrastructure – kurz SIGDIUS – geformt, die all jenen ein Forum bieten möchte, die auf Arbeitsgruppen- oder Institutsebene eine FDM-Infrastruktur aufbauen oder weiterentwickeln möchten. Der Rahmen dafür wurde mit den monatlichen SIGDIUS-Seminaren geschaffen, die es bereits seit April 2019 gibt. Am ersten Mittwoch im Monat kann man dort von internen und externen Experten mehr erfahren, aber sich auch zu eigenen Erfahrungen mit anderen austauschen. Dialog und Vernetzung stehen also ganz klar im Vordergrund: Welche Bedürfnisse gibt es in den unterschiedlichen Bereichen? Was tut sich woanders? Welche Probleme bestehen? Wie können Bedarfe erfasst und wie bestehende Werkzeuge aus anderen Bereichen implementiert werden?

In den vergangenen Seminaren sprachen unter anderem Wolfgang Wachter von der Deutschen Forschungsgemeinschaft über „Research data infrastructure in physics and chemistry“ und Frank Tristram vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) über „Bringing excellent data practices into a Cluster of Excellence: DFG rules meet software development“.

FDM muss verschiedene Perspektiven berücksichtigen

Und auch hier wird bereits deutlich, dass FDM ganz unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen muss: von der Infrastruktur bis hin zur Definition allgemeingültiger Standards. Wie genau diese Standards aussehen müssen, damit beschäftigen sich die einzelnen Initiativen. Das führt dazu, dass die Entwicklung von Methoden, Standards und Werkzeugen des Forschungsdatenmanagements zurzeit sehr dynamisch ist, wobei die Wissenschaftsbereiche in Bezug auf Prozesse, Standards und Werkzeugen zur Datenerfassung recht fragmentiert sind. Dies zeigt sich zum Beispiel an den wichtigen Werkzeug zur systematischen Erfassung von experimentellen Daten, den elektronischen Laborbüchern (ELN) und Labor-Informations- und Management-Systemen (LIMS).

„Zurzeit werden über 300 unterschiedliche LIMS/ELN-Produkte angeboten, die einerseits sehr spezifische Lösungen für einzelne Anwendungsbereich bieten, andererseits versuchen, ein breites Spektrum an Anwendern bedienen zu können. Eine Auswahl der jeweils geeigneten FDM-Strategie ist unter diesen Bedingungen schwierig“, unterstreicht Jürgen Pleiss die aktuelle Lage im Forschungsdatenmanagement.

Nächster Termin

Es gibt also noch viel zu tun. Auch SIGDIUS und der Ausschuss beteiligen sich an dieser Arbeit. So wird es auch 2020 wieder Seminare zu den verschiedensten Themen geben. Bereits im Februar geht es mit einem Vortrag von Ulrike Wittig vom HITS in Heidelberg zu „Research data management by SEEK/FAIRDOMHub“ weiter. Über weitere Termine und Veranstaltungen informieren wir Sie rechtzeitig auf unserer Webseite.

05.02.2020, Ulrike Wittig (HITS, Heidelberg): "Research data management by SEEK/FAIRDOMHub"

 

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