March 13, 2018 / Sabine Sämisch

Wie kann Forschungssoftware nachhaltiger eingesetzt werden?

SimTech-Forschende versuchen mit vier Projekten Antworten darauf zu finden.

Forschungssoftware wird in vielen Disziplinen genutzt. Gerade in den Simulationswissenschaften wird sie für den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn in vielfältigster Art und Weise entwickelt und eingesetzt. Oft wird für Projekte gezielt Software entwickelt, die dann wieder in der Schublade verschwindet, wenn das Projekt abgeschlossen ist. Diese Forschungssoftware hat jedoch in vielen Fällen ein enormes Potenzial und kann auch für andere Projekte, Disziplinen oder Themen relevant sein. Wie aber kann diese projektspezifische Software einem größeren Anwenderkreis zugänglich gemacht werden?

Dieser Frage widmete sich eine Ausschreibung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zur Nutzbarmachung und Nachhaltigkeit von Forschungssoftware.

Auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Exzellenzclusters SimTech haben an dieser Ausschreibung teilgenommen – und das äußerst erfolgreich. Die Anträge unter Mitwirkung von Prof. Christian Holm, Prof. Thomas Ertl/Dr. Guido Reina, Prof. Miriam Mehl und Prof. Bernd Flemisch gehören zu den rund 20 genehmigten Projekten. Bei 130 eingereichten Anträgen ein großer Erfolg.

Prof. Christian Holm widmet sich in seinem Projekt dem „Aufbau einer Internationalen Community zur nachhaltigen Entwicklung des ESPResSo Programmpakets“. Mit diesem Projekt soll die Molekulardynamik-Software ESPResSo in einen Zustand versetzt werden, in dem sie durch eine Open-Source-Community getragen werden kann. Darüber hinaus soll diese Community ausgebaut und gestärkt werden. Hauptanwendungsgebiet der Software sind Arbeiten in den Bereichen weiche Materie und Verfahrenstechnik.

Prof. Thomas Ertl und Dr. Guido Reina beschäftigen sich mit der „Nachhaltigkeit für das Open-Source-Partikelvisualisierungsframework MegaMol“. MegaMol ist ein GPU-zentrisches Framework für die interaktive Visualisierung von Partikeldaten, das im Rahmen des SFB 716 entwickelt wird und inzwischen auch in anderen Forschungsprojekten eingesetzt wird.

Prof. Miriam Mehl hat gemeinsam mit Prof. Dr. Hans-Joachim Bungartz und Dr. Benjamin Uekermann von der TU München das Projekt „preDom – Domestication of the Coupling Library preCICE“ eingereicht. Ziel des Projektes ist es, Bestpractices abzuleiten, wie Forschungssoftware für Nicht-Experten nutzbar gemacht werden kann. Dies ist ein ungelöstes Problem nicht nur für preCICE, sondern für akademische Software im Allgemeinen. Sie stellt typischerweise hochentwickelte moderne Methoden zur Verfügung, die allerdings von der Gemeinschaft aufgrund mangelhafter Nutzbarkeit nicht voll ausgeschöpft werden können. Ziel ist es daher, Infrastrukturen, Methoden, Empfehlungen und Erfahrungen zur Verfügung zu stellen, die es anderen Teams erlauben, eine gute Nutzbarkeit ihrer Software einfach und in kurzer Zeit zu erreichen.

Das Projekt von Prof. Bernd Flemisch in Zusammenarbeit mit Sibylle Hermann von der UB Stuttgart und Dr. David Boehringer vom TIK Stuttgart beschäftigt sich wiederum mit einer nachhaltigen Infrastruktur für die verbesserte Nutzbarkeit und Archivierbarkeit von Forschungssoftware am Beispiel des Poröse-Medien-Simulators Dumux. Um die Transparenz und Reproduzierbarkeit von Simulationsergebnissen zu gewährleisten, sollen hier die herkömmliche wissenschaftliche Publikation, der zugrundeliegende Programmcode und die verwendeten bzw. produzierten Daten zu einer Einheit verschmelzen.

Sie haben Fragen zu den Projekten? Dann wenden Sie sich gern direkt an die genannten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.